25.1.2011 in München: Amnesty bei Veranstaltung rivalisierender Fans / Fans unterstützen Kampagne bundesweit

Aktion "Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte" der Ultragruppe Legio Augusta am 18.12.2010 in der Impuls Arena Augsburg
Mitglieder der Ultragruppe Legio Augusta werben mit einer Infoaktion für die Amnesty-Forderung "Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte" (18.12.2010, Impuls Arena Augsburg). © Fanprojekt Augsburg

Nach einer Informationsveranstaltung mit Fans von Dynamo Dresden Anfang 2011 ist Amnesty International Ende Januar nun auch in München bei einer Diskussionsveranstaltung mit bayrischen Landespolitikern und Fanvertretern eingeladen, die von Fans des TSV 1860 und des FC Bayern gemeinsam organisiert wird.

Der Termin ist eine weitere Gelegenheit, vor Ort das Thema rechtswidriger Polizeigewalt rund um den Fußball sachlich zu diskutieren, und der interessierten Öffentlichkeit nötige Lösungsansätze wie z.B. eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten vorzustellen.

Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) hat sich Mitte Januar 2011 dieser Forderung der Amnesty-Kampagne angeschlossen und den Bundesinnenminister und die Innenminister der Länder aufgefordert, das Thema rechtswidrige Polizeigewalt „konstruktiv anzugehen und für mehr Transparenz bei der Polizei zu sorgen“.

 

DISKUSSION MIT POLITIKERN, FANS UND AMNESTY IN MÜNCHEN

Kennzeichnungspflicht für Polizisten als Maßnahme für mehr Transparenz und Verantwortung bei der Polizei: Darum geht es bei einer Diskussionsveranstaltung für Pressevertreter und Interessierte am 25. Januar 2011 um 11 Uhr in München, die gemeinsam von „rivalisierenden Fans“ (Stadionwelt) organisiert wird. Neben Fußballfans werden auch Vertreter von Amnesty International sowie verschiedener politischer Parteien teilnehmen, ebenso wie Fanvertreter der beiden Münchener Vereine TSV 1860 und FC Bayern, sowie der SpVgg Greuther Fürth. In ihrer Einladung schreiben die Münchner Fans: Auch Besucher von Fußballspielen und die Medien berichten immer wieder von schweren Übergriffen der Polizeikräfte. Prominente Beispiele sind die Vorwürfe gegen Beamte der Polizeispezialeinheit USK rund um das Amateure-Derby zwischen dem FC Bayern und dem TSV 1860 im Dezember 2007 (SZ berichtete) und gegen Beamten derselben Einheit beim Gastspiel der SpVgg. Fürth beim FC Bayern im Frühjahr 2010.

Wir wollen Sie zu unserer Veranstaltung mit Amnesty International am 25.01.2011 um 11 Uhr im Orangehouse im Feierwerk (Hansastraße 39-41) einladen. Wir, das sind Fans vom TSV 1860 und dem FC Bayern, die angesichts der Bedeutung, die diese Problematik für alle Fans über Vereinsgrenzen hinweg gleichermaßen hat, ihre Rivalität hinten anstellen. Dabei wollen wir uns mit den genannten Vorfällen beschäftigen und die Frage aufwerfen, inwieweit die fehlende Kennzeichnungspflicht für eingesetzte Beamte eine Aufklärung dieser Fälle verhindert und ein Klima der Straffreiheit bei Übergriffen gegen Fans geschaffen hat.
Auf dem Podium diskutieren und informieren Alexander Bosch (Amnesty International) aus Berlin, der Anwalt Marco Noli aus München, Susanna Tausendfreund, MdL Bündnis 90/Die Grünen (Innenpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion), Rolf Merk, FDP (Referent für Recht und Grundsatzfragen der FDP-Landtagsfraktion), Florian Ritter (MdL, SPD), Günter Krause (Projektleiter Fanprojekt München) und Fans und Vereinsvertreter aus Fürth (angefragt).

WANN: Dienstag, 25. Januar 2011, 11 Uhr
WO: Orangehouse im Feierwerk , München (Hansastr. 39-41)
Termineintrag bei Facebook

Aufgrund begrenzter Kapazitäten am Veranstaltungsort (max. 80 Plätze) kann eine Teilnahme an der Veranstaltung nicht garantiert werden. Der Termin richtet sich vor allem an Pressevertreter – daher auch die Uhrzeit (11 Uhr). Bei Interesse an einer Teilnahme melden Sie sich am besten direkt bei den Veranstaltern an:

Veranstalter: Löwenfans gegen rechts und Profans München

 

AMNESTY WAR BEI DYNAMO-FANS ZU GAST

Schon am 13. Januar 2011 war ein Amnesty-Vertreter auf Einladung des Fanprojekts Dresden und der „Ultras Dynamo“ bei einem Informationsabend zum Thema "Polizeigewalt" eingeladen. Alexander Bosch, der auch in München bei der Diskussion dabei ist, hielt einen Vortrag über die Recherchen, den Bericht und die Ziele der Kampagne von Amnesty International. Auch die Probleme von Fußballfans mit der Polizei wurden angesprochen. Rund 50 Personen waren zur Diskussion gekommen und stellten anschließend zahlreiche Fragen. Für Alexander Bosch von der Amnesty-Themengruppe „Polizei und Menschenrechte“ war die Veranstaltung ein gelungener Abend: Ich möchte mich für die Einladung der Dresdner Fans bedanken. Damit haben engagierte Fußball-Fans wieder einmal gezeigt, dass sie an einer sachlichen Auseinandersetzung mit dem oft schwierigen Verhältnis zwischen Fans und Polizei interessiert sind. Ihre Unterstützung der Amnesty-Kampagne „Mehr Verantwortung bei der Polizei“ hilft nicht nur den betroffenen Fans selbst. Sie trägt auch dazu bei, insgesamt mehr Aufmerksamkeit auf das Thema rechtswidrige Polizeigewalt – und was dagegen von Politik und Polizei getan werden sollte – zu lenken.

Veranstalter: Fanprojekts Dresden und Ultras Dynamo

BUNDESARBEITSGEMEINSCHAFT DER FANPROJEKTE FORDERT KENNZEICHNUNGSPFLICHT

Beim Fan-Kongress „Feindbilder ins Abseits“ Mitte Januar 2011 hat auch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) eine verpflichtende Kennzeichnung und damit Identifizierbarkeit von Polizisten gefordert. Damit schließt sie sich der Forderung von Amnesty International und anderen Organisationen wie dem Deutschen Anwaltverein (DAV) und der Humanistischen Union an.

Auszug aus der Stellungnahme der BAG: Immer wieder werden Vorwürfe wegen möglicherweise rechtswidriger Gewaltanwendung von Polizeibeamten, gerade auch im Umfeld von Fußballspielen, laut und bestätigen die Untersuchungen von Amnesty International. In unserer Arbeit beschäftigen uns regelmäßig die sogenannten „geschlossenen Einsätze“ der Polizei, bei denen Beamte mit Sturmhauben „vermummt“ auftreten und dadurch eine ohnehin schwierige Identifizierung bei Übergriffen unmöglich machen.

Nach der Gesetzesverschärfung bei Widerstand gegen Polizeibeamte, wäre es an der Zeit, auch die Kritik von Amnesty International ernst zu nehmen und deren berechtigte Forderungen umzusetzen.

Die Kennzeichnungspflicht von Polizeibeamten im Einsatz, unabhängige und unparteiische Untersuchungen von Vorwürfen gegen Polizeibeamte und videoüberwachte Polizeistationen könnten das Verhältnis von Polizei und Fans erheblich entspannen. In diesem Sinne fordern wir vom Bundesinnenminister und den Innenministern der Länder, dieses Thema konstruktiv anzugehen und für mehr Transparenz bei der Polizei zu sorgen. Wir unterstützen darüber hinaus den Modellversuch, den die Berliner Polizei zur Beamtenkennzeichnung derzeit durchführt.